[ ETHZ - Eidgenössische Technische Hochschule Zürich ]

reto ambühler - sabbatical 2002

[ UCSD - University of California, San Diego ]

14. august 2002: canyonlands national park: white rim road (2. teil)

[ canyonlands NP: route white rim road (2. tag) ]
karte

hätte meine frau susanne gewusst, was sie heute erwartet, sich hätte wohl die ganze nacht kein auge zugetan. so aber schliefen wir herrlich, es gab auch nichts, was unseren schlaf hätte stören können. das frühstück mussten wir - wie gestern schon das abendessen - auf dem boden oder auf einem flachen stein sitzend einnehmen, denn es gab hier keinen tisch und wir hatten keine entsprechende ausrüstung dabei. bevor wir losfuhren, kletterten wir in der umgebung des "campingplatzes" etwas auf dem rim herum und warfen einen blick in den canyon. die luftlinie zwischen white crack, wo wir die nacht verbracht hatten und dem campingplatz squaw flat, wo wir vorher waren, beträgt nicht einmal 15 km, aber mit dem auto muss man fast 200 km fahren, um vom einen campingplatz zum anderen zu gelangen.
[ white rim im canyonlands national park ] [ white rim im canyonlands national park ]
wir fuhren zurück bis white turn und folgten dann der white rim road erst west- und dann nordwärts. auf den ersten kilometern präsentierte sich die piste wie schon gestern (abgesehen vom ausflug in den lathrop canyon): sehr holprig, aber sie führte weiterhin durch ebenes gelände. aber nach etwas mehr als 10 km änderte sich die situation schlagartig. vor uns erhob sich eine etwa 100 meter hohe kuppe und die piste führte geradewegs darüber. jetzt hiess es sich festhalten ! die piste wurde immer holpriger, immer steiler und immer schräger. der dodge durango und ich waren nun voll im element. während rechts steine aus der steilen felswand in die fahrspur ragten, fiel der abhang zur linken mindestens so steil ins nichts hinunter. halbmeter hohe steine und absätze mussten überwunden werden. plötzlich hielt es susanne nicht mehr aus im wagen, panikartig verliess sie den dodge und wollte die strecke zu fuss gehen. die kinder dagegen waren genauso fasziniert wie ich. alle drei sassen nun auf dem beifahrersitz, die nasen klebten an der frontscheibe und sie quietschten bei jedem hindernis vor vergnügen.
[ white rim road im canyonlands national park ] [ white rim road im canyonlands national park ]
ich versuchte susanne etwas zu beruhigen und machte ihr auch klar, dass noch 80 km vor uns lagen, es war unmöglich, die ganze strecke zu fuss zu gehen. schliesslich setzte sie sich auf die rückbank und vergrub sich im ledersitz, damit sie nicht mitansehen musste, was noch auf uns zukam. inzwischen hatten wir den höchsten punkt der kuppe erreicht, nun ging es nicht minder spektakulär wieder hinunter. die piste war manchmal mit tiefem sand bedeckt und es wurde uns klar, warum man die white rim road nicht in die andere richtung befahren sollte: in diesen sandigen abschnitten würde man beim bergwärts fahren bestimmt hoffnungslos steckenbleiben. es gab noch weitere spektakuläre passagen, aber susanne hatte inzwischen so viel vetrauen in den durango und meine fahrkünste entwickelt, dass sie spürte, dass es eine überlebenschance gab ...
[ green river im canyonlands national park ] [ green river im canyonlands national park ]
nach und nach wurde die piste wieder etwas "normaler" und wir konnten wieder die üblichen sitzpositionen einnehmen, das heisst susanne setzte sich wieder auf den beifahrer sitz und die kinder wieder nach hinten. die white rim road verlief nun dicht am ufer des green river. bei einem rastplatz stoppten wir und gelangten durch einen schmalen waldstreifen zum wasser hinunter. auch der green river war trüb und warm, genau wie gestern der colorado. aber das ufer war ungeeignet zum baden, deshalb fuhren wir schon bald weiter.
[ green river im canyonlands national park ]
einige kilometer später fanden wir dann doch noch eine geeignete stelle zum baden. wir genossen das erfrischende nass, bis plötzlich eine wasserschlange auftauchte. im nu waren die kinder aus dem wasser und die lust am baden war augenblicklich verschwunden. wir assen noch eine kleinigkeit, dann setzten wir unsere fahrt fort.
[ horsethief trail beim canyonlands national park ]
gegen 1530 erreichten wir das ende der white rim road. über den horsethief trail erklommen wir die 300 höhenmeter zur island in the sky. dieser trail windet sich eine steile wand empor und erschien uns eigentlich als gut ausgebaute piste. trotzdem machten wir einen makaberen fund: einige meter unterhalb einer spitzkehre lag ein zertrümmertes auto - vorallem unsere kinder waren von diesem anblick tief beeindruckt und fragten sich immer wieder, ob die insassen wohl überlebt hätten ...
kurz nach 1600 bogen wir auf die parkstrasse highway 313 ein. wir fuhren aber nicht sofort nach moab, sondern zuerst nochmals bis zum grand view point overlook, dem aussichtspunkt, von wo aus wir vor 11 jahren zum ersten mal auf die white rim road hinunter blickten. unterwegs meldeten wir uns im visitor center zurück, damit die park ranger wussten, dass wir das abenteuer wohlbehalten überstanden hatten und sie uns nicht suchen mussten. der aussichtspunkt grand view point overlook ist keine 6 km vom white crack campground entfernt, bis nach white turn sind es gar nur 4 km, wir waren also nach 126 km fahrt wieder fast am gleichen ort, allerdings befanden wir uns nun gut 300 meter höher.
schliesslich blieb uns nichts anderes übrig, als nach moab zurückzukehren und den dodge durango mit etwas wehmut wieder abzugeben. wir luden das gepäck um, wobei wir kaum wussten, wo wir im kleinen pontiac die vielen wasserbehälter unterbringen sollten, die wir immer noch mitführten. da wir das abenteuer im geplanten zeitraum überstanden hatten, hatten wir kaum einen drittel des wasservorrates verbraucht, wir hätten also gut ein paar tage im canyon überlebt.
auf dem campingplatz canyonlands mitten in moab stellten wir unser zelt auf und befreiten uns unter der dusche von sand und schweiss. anschliessend gingen wir in einem nahen restaurant nachtessen. es war schon ziemlich spät, als wir endlich im zelt lagen. allerdings war es hier auch nicht besonders ruhig, kein vergleich mit der letzten nacht ...

gestern - inhaltsverzeichnis - morgen


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